Der Fasching ist abgefeiert, dem Genuss wurde zuvor noch ausgiebig gefrönt. Jetzt heißt es Verzicht für uns Alle. Oder etwa doch nicht?
Wir haben bereits Tage vor dem Aschermittwoch diskutiert. Darüber, was wir so alles brauchen und was nicht. Worauf wir verzichten könnten.
Auch die Gründe dahinter sind zur Sprache gekommen: Verzicht heißt nicht zwingend Verlust, sondern Gewinn. Wenn etwas weggelassen wird, wird der Weg frei, andere Aspekte wahrzunehmen, die zuvor verstellt und deshalb nicht wahrnehmbar waren.
Mit zunehmendem Alter unserer Kinder wird ihnen auch diese Dimension bewusst.
Früher war es anders: Mühsam und zäh wurde über Verzicht gesprochen. Über Gott, über Jesus, über Wüstenerfahrungen und Auferstehung. Über ein „Sich-Bereit-Machen“. Das alles klingt, bei genauerer Betrachtung, noch komplexer als die Themengebiete Gewinn und Verlust. Ich bin fast davon überzeugt, dass unsere Kinder damit damals wenig anfangen konnten, auch wenn wir es natürlich in kindgerechter Sprache und jeweils dem Alter angemessen erklären wollten.
Gewissermaßen brechen wir es mittlerweile auf eine „weltliche“ Dimension herunter.
Auf eine subjektive Ebene. Die Fragen sind:
- Was brauchen wir wirklich, worauf können wir (gut und gerne oder auch mit etwas mehr Aufwand) verzichten?
- Was passiert, wenn wir uns in diesem Verzicht üben?
- Was passiert vor allem mit uns als Einzelne, mit uns als Familie, mit uns als gesellschaftliche Wesen?
Also gingen wir konkret an die Planung, worauf man so verzichten könnte:
Auf Bier beim Papa? Auf Süßigkeiten bei der Mama? Auf zu viel Busfahren bei der Tochter? Auf Smartphone & Co. bei der großen Tochter? Alles machbare Pläne und Vorsätze, alles keine Hexerei und ganz und gar nicht abstrakt oder gar außerweltlich.
Alle Vorsätze haben konkret mit der Lebensrealität des Einzelnen zu tun.
Alles fußt auf Dinge, die einem das Leben bequemer, angenehmer, lustiger, geselliger oder was auch immer machen. Alles sind Dinge, die aber, wenn zu exzessiv „genossen“ oder konsumiert auch zur Belastung werden können.
Zu viel des Guten ist nämlich nicht immer wunderbar, sondern oft auch problematisch, weil daneben andere Dinge und Aspekte verblassen, die das Leben auch noch parat hält.
Wir fasten nicht primär, um Gott zu begegnen und über diese Begegnung über Umwege zu uns selbst. Wir fasten, weil wir etwas Gutes für uns tun wollen. Etwas Gutes auch für uns als Familie. Der einzelne soll sich reflektieren, laut nachdenken, zu sich kommen und seine Rolle hinterfragen und womöglich neu definieren.
Aber eben dort können wir Gott begegnen! Und vielleicht gerade dann, wenn man am Wenigsten damit rechnet. Ich bin davon überzeugt, dass die hier bereits kurz umschriebene „Absichtslosigkeit“ eine große Rolle spielt. Es lässt sich nichts erzwingen!
Wer fastet, um Gott zu begegnen, der wird womöglich scheitern.
Wer aber fastet um des Fastens Willens, wer Verzicht übt, dem wird er sich womöglich zeigen. Und wenn nicht: Es gibt ja zum Glück jedes Jahr neue Möglichkeiten und neue Versuche, um eine solche Begegnung zu erleben.
Doch noch sind wir ganz am Anfang.
Die Fastenzeit hat gerade erst begonnen. Wir haben uns bereits darauf eingestimmt, Haltungen bzw. Einstellungen „geübt“ und sind somit bereit. Die ersten Hürden sind genommen, die ersten Beschlüsse gefasst, die ersten Erfahrungen gesammelt, die sich Jahr für Jahr wieder neu und anders anfühlen. Weil wir andere sind. Wir sind gespannt darauf, was uns so alles passieren wird und ob uns auch Gott „passiert“. Wir sind bereit, erwarten aber nichts. Wir schauen, was sich so alles ereignet, wie er uns begegnet und sich uns zeigt.
Mit dieser Einstellung – so sind wir uns eigentlich sicher – kann nichts schief gehen. Keine Erwartungen, keine Enttäuschung, Absichtslosigkeit. So starten wir in diese Fastenzeit, etwas anders und gelöster als die Jahre zuvor.