Ein paar Gedanken zur Pflegeelternschaft Teil 2/2
Im ersten Teil habe ich über die Grundlagen der Pflegeelternschaft geschrieben - welche Kriterien notwendig sind, um ein Kind bei sich in der Familie aufzunehmen.
In diesem Beitrag möchte ich einige persönliche Gedanken teilen, da mich das Thema der Pflegeelternschaft bereits seit vielen Jahren sehr anspricht.
Die verschiedenen Seiten
In meiner Arbeitsstelle hatte ich immer wieder beruflich mit allen Seiten der Betroffenen zu tun:
1. Das Leid der Eltern
Ich habe mit jenen Eltern zu tun, die auf Grund oft unbeschreiblicher Schwierigkeiten unter größtem Schmerz ihr eigenes Kind zur Pflege „freigeben“. Manchmal freiwillig, manchmal aber auch erzwungenermaßen.
Dieses Leid der Eltern, die immer Eltern bleiben werden, ist oft kaum nachvollziehbar.
2. Das Leid der Kinder
Kinder jeden (!) Alters können zur Pflege freigegeben werden. Selten sind es Säuglinge nach der Geburt. Es kommt selten, aber immer wieder vor, dass Mütter ihre Kinder bereits unmittelbar nach der Geburt zur Pflege freigeben. Der Schritt zur Adoption scheint zu endgültig, daher wird als Alternative die Freigabe zur Pflege gegriffen, mit der Option auf Kontaktbestand. Der Wunsch der Mütter besteht häufig darin, falls sich die eigenen Lebenssituation verbessert, wieder mit dem Kind vereint sein zu können.
Meist aber sind die Kinder bereits etwas älter.
Im Kleinkindalter, mit etwa drei bis sechs Jahren befinden sich manche Familien in Umständen, die - so wird in diesem Stadium von der Kinder- und Jugendhilfe befunden – untragbar für eine kindliche Entwicklung ist. Daher erfolgt manchmal der Entzug der Kinder, eine kurzfristige Unterbringung in einer sozialpädagogischen Einrichtung mit der Hoffnung auf einen Platz in einer liebevollen Pflegefamilie (der häufig aber unerfüllt bleibt, da österreichweit ein großer Mangel an Pflegefamilien herrscht).
Die psychische Belastung dieser Kinder ist enorm, da sie alles bereits aktiv miterleben müssen. Die Trennung von den Bezugspersonen/Eltern schafft häufig Traumata, mit sie im Laufe derZeit erst leben lernen müssen.
3. Wer sind denn die Paare, die sich zur Pflegeelternschaft entscheiden?
Dies Frage hat mich immer schon interessiert. Die Entscheidung zur Pflegeelternschaft erfordert viel Mut und Stärke.
In meinem Arbeitsbereich lernte ich folgende Familien kennen:
- Einerseits Paare mit älteren Kindern. Ich kann mich noch gut an eine Familie erinnern, die bereits drei eigene erwachsene Kinder hatte, die alle schon außer Haus waren. Der Vater ging seiner Arbeit nach, die Mutter war zu Hause und beide entschieden, dass sie noch Energie, Kraft und Zeit für ein weiteres Kind investieren möchten.
Eines, dem es nicht so gut ging und das die Liebe einer sicheren Familie benötigte.
Ich habe oft über die Wärme, die Liebe und die Selbstverständlichkeit gestaunt, mit welcher diese beiden Eltern das Pflegekind, einen Buben im Alter von sechs Jahren, der schon so unsagbar Schlimmes erlebt hatte, umgegangen sind.
Ich konnte nur staunen, wie schnell sich das Kind eingelebt hatte, wie sicher es innerhalb kürzester Zeit an diese Familie gebunden war und mit welcher Stärke es die beiden Eltern ausgestattet hatten.
- Eine anders Paar war kinderlos. Natürlich war dies anfangs für die beiden nicht leicht. Doch es war keine Tragödie, oder gar ein Grund in Selbstmitleid stecken zu bleiben. Sobald sie erfuhren, dass sie keine leiblichen Kinder haben würden, nahmen sie den Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe auf, um zwei bis drei Pflegekinder bei sich aufzunehmen. Die beiden wollten so ihre ganz besondere Familie gründen, mit Kindern, die bereits auf der Welt waren und ein sicheres Heim benötigten. Innerhalb kürzester Zeit waren sie Eltern einer zweijährigen Tochter, deren alleinerziehende Mutter sich das Leben genommen hatte. Zwei Jahre später nahmen sie ein weiteres, schwer behindertes Mädchen im Alter von fünf Monaten bei sich auf. Die Pflege dieses schwer beeinträchtigten Mädchens fordert die gesamte Familie. Es ist nicht einfach für alle und nicht nur einmal kamen die Eltern, besonders die Mutter, auf Grund der Situation an den Rand ihrer Belastbarkeit. Doch beide Eltern geben an, dass sie glücklich seien, aus ihrer Kinderlosigkeit etwas Gutes gemacht zu haben, ihre Energie und Kraft in das Leben zweier kleiner Kinder zu investieren, die ohne Familie dagestanden sind.
Die Christliche Perspektive
Aus christlicher Sicht macht es Sinn, sich um die Kleinen und Schwachen dieser Welt zu kümmern. Bereits Jesus sagt, wenn einer eines dieser Kleinen aufnimmt, nimmt er ihn selbst auf. Mit der Entscheidung, ein Kind zur Pflege bei sich aufzunehmen, kann das Leben dieses Kindes unterstützt werden. Außerdem kann die Entwicklung hin zu einem starken, selbstbewussten Menschen, der trotz aller Widrigkeiten, die ihm im Leben widerfahren sind, zu einem glücklichen Erwachsenen heranwächst, gelingen.
Kontakte
Im Allgemeinen sind die Bezirkshauptmannschaften Österreichs die Erstkontaktstellen bei Interesse zur Pflegeelternschaft. Es kann aber auch bei der Kinder- und Jugendhilfe nachgefragt werden.
Pflegeeltern/Pflegefamilien werden in ganz Österreich dringend gesucht.