Hörbücher uns Hörspiele für Kinder
Ich habe vor kurzem gelesen, dass die meisten Kinder (laut dieser Studie 91 % der 2- bis 9-Jährigen) täglich Hörbücher hören, was auf den ersten Blick ziemlich viel scheint.
Doch einmal darüber nachgedacht, mag es stimmen: Meine Mädchen hören beim Basteln und Jausnen Hörbücher.
Gerne auch mal einfach nur zur Entspannung. Und das fast täglich.
Die Hemmschwelle der Eltern, Hörbücher „zu erlauben“, mag vermutlich geringer sein als bei anderen audiovisuellen Medien wie Film, Fernsehen oder Computerspielen. Ich habe mir daher die Frage gestellt, welche auditiven Medien es gibt und wie Kinder davon profitieren können.
Was ist der Unterschied zwischen einem Hörbuch, einem Hörspiel und Podcasts?
Bei einem Hörbuch liest ein Sprecher oder eine Sprecherin ein Buch vor. Bei einem Hörspiel hingegen hat jede Rolle einen eigenen Sprecher oder eine eigene Sprecherin. Hinzu kommen atmosphärische Geräusche und Musik. Hörspielen und Hörbüchern ist gemein, dass sie sich auf fiktionale Geschichten konzentrieren und auf Unterhaltung ausgerichtet sind.
Der Begriff Podcast setzt sich aus den Worten iPod und Broadcast (Radioübertragung) zusammen, was schon auf den informativen Charakter hindeutet.
Ein Podcast soll bilden und Wissen vermitteln.
Das passiert in Form eines Gesprächs, eines Interviews mit Experten oder eines Vortrags.
Wie können Kinder von Hörbüchern oder Hörspielen profitieren?*
- Hörspiele/Hörbücher trainieren die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sowie das Erkennen von Zusammenhängen. Außerdem fördern sie das aktive Zuhören.
- Sie tragen zur Erweiterung des Wortschatzes bei und unterstützen grundsätzlich die Sprachentwicklung (Grammatik und Satzbau).
- Kinder lernen neue Lebensweisen, Lösungskonzepte und fremde Alltage kennen.
- Hörbücher/Hörspiele können eine tröstende, beruhigende und ausgleichende Funktion haben.
- Während Film und Fernsehen (audiovisuelle Medien) mehrere Sinne ansprechen und auch Bücher beim Lesen oder Anschauen Aktivität verlangen, sind Hörbücher oft entspannender.
- Fantasie und Gehirn werden angeregt. Im Gegensatz zu Filmen und Serien müssen sich die Kinder die Figuren und Geschichten im Kopf vorstellen.
- Hörbücher/Hörspiele fördern wie alle guten Geschichten die Empathiefähigkeit, da sich Kinder in verschiedene Charaktere hineinversetzen müssen.
*Die meisten Punkte gelten auch für Podcasts.
Wissensvermittlung durch Podcasts
Wie oben erwähnt, zielen Podcasts auf Wissensvermittlung ab. Es gibt bereits für Kleinkinder liebevoll gemachte Angebote, z. B. Kakadu (ARD Audiothek), Die Sendung mit der Maus (ARD Audiothek, wdrmaus.de), Der CheckPod mit Checker Tobi (ARD Audiothek), Anna und die wilden Tiere (BR), Geolino Spezial (radio.at/podcast) oder die "Schlaue Pause" der Österreicherin Anna Winter.
Ab dem Teenageralter gibt es den WDR-Podcast KiRaKa Herzfunk (wdr.de) oder den Familien-Podcast Kleine Fragen (Spotify).
Woran erkennt man ein „gutes Hörmedium“?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sich Erwachsene über das informieren sollen, was ihre Kinder sehen oder hören, und zwar so, dass sie es zumindest einmal mit dem Kind zusammen verfolgen.
Das geht super neben dem Kochen oder Wäschefalten – habe ich getestet.
Oder aktiv mit den Kindern gemeinsam auf der Couch kuscheln und eine gemeinsame Auszeit genießen.
Altersabhängig
Ein „gutes Hörmedium“ hängt stark vom Alter ab. Auch wenn die Eindrücke bei einem auditiven Medium nicht so intensiv sein mögen wie beim Fernsehen, sollte man unbedingt auf kindgerechte und altersentsprechende Produkte achten. Auf den meisten CDs, Tonies, bei Streaminganbietern oder auf Homepages sind Altersangaben ersichtlich.
Eine qualitativ hochwertige Produktion zeichnet sich durch eine klare Struktur aus, einen roten Faden, der sich durch die Handlung zieht, sowie durch langsam und gut verständlich sprechende Sprecherinnen und Sprecher.
Bei Hörspielen wird die Atmosphäre bzw. Musik passend zur Handlung eingesetzt.
Empfehlung für Alter und Inhalt
Je jünger, desto weniger komplex
- Die Untergrenze liegt bei etwa 2 Jahren. Jüngeren Kindern fehlen der Wortschatz und die Konzentrationsfähigkeit.
- Für Kinder von 2–4 Jahren eignen sich Hörbücher/Podcasts, die nur einen Sprecher haben, ähnlich einem Bilderbuch, das Mama oder Papa vorlesen. Empfohlene Dauer: 10–15 Minuten.
- Ab etwa 6 Jahren können Kinder Hörbücher/Hörspiele/Podcasts von 30–60 Minuten gut verfolgen.
Interessen der Kinder
Was die Handlung angeht, ist eine Empfehlung schwierig. Jedes Kind hat andere Interessen und erlebt die Inhalte anders.
Für jüngere Kinder sollte die Handlung lebensweltlich assoziiert sein, d. h., sie sollte mit dem normalen Leben des Kindes etwas zu tun haben bzw. aus Bilderbüchern bekannt sein (z. B. Der kleine Drache Kokosnuss oder Podcasts zu Haustieren). Oft ist eine handelnde Person und ein linearer Handlungsstrang anspruchsvoll genug.
Ältere Kinder beschäftigen sich mit anderen Themen, es gibt Protagonisten und Antagonisten sowie mehrere Handlungstränge. Ähnlich dem Büchermarkt reicht das Angebot an Hörbüchern/Hörspielen von Detektivgeschichten (Die drei ???, Die drei !!!), Pferdegeschichten (Bibi & Tina) über Fantasievolles (Die Schule der magischen Tiere, Liliane Susewind) bis hin zu Wissensbildung (Wieso? Weshalb? Warum?).
Über das Gehörte ins Gespräch kommen
Egal wie alt das Kind ist, würde ich immer mit ihm über den Inhalt bzw. die Protagonisten reden: Ist die Handlung nachvollziehbar? Lädt die Geschichte zum Zuhören ein, oder ist der Sprecher zu monoton? Kann sich das Kind in die Charaktere hineinfühlen und sich mit ihnen und der Handlung identifizieren? Hat das Kind ständig Fragen zum Inhalt? Kommen Worte oder altmodische Begriffe vor, die den Kindern unbekannt sind (z. B. bei Michel aus Lönneberga)? Reagiert es emotional überfordert oder mit Unruhe?
Ich schreibe das so explizit, weil ich glaube, dass sich Eltern mit TV- und Fernsehinhalten eher auseinandersetzen und diese reglementieren als mit den Inhalten von Hörbüchern.
Wann hören wir Hörbücher oder Hörspiele?
Zum Runterkommen oder zur Selbstregulation – die Kinder genießen es, mit geschlossenen Augen in einer gemütlichen Ecke oder selbstgebauten Höhle zu liegen und sich 30 Minuten lang nur dem Hörspiel hinzugeben.
Als Begleitung und Abwechslung auf (sehr) langen Autofahrten und als Hintergrund bei Bastelarbeiten, beim Fingerhäkeln oder beim Malen.
Viele Familien nutzen Hörbücher oder Hörspiele als Einschlafbegleitung – da sind ruhige und möglichst unaufgeregte Inhalte besonders wichtig – oder als Ablenkung beim Zähneputzen oder Frisieren.
Wann hören wir KEINE Hörspiele oder Hörbücher?
Im Gegensatz zu Fernsehen oder Computerspielen bin ich mit der Nutzungsdauer von Hörmedien liberaler, und die Kinder dürfen an einem regnerischen Tag zwei oder drei Stunden (!) lang Hörspiele hören. Ich persönlich finde aber, dass während der Hausaufgaben, des Lernens, beim Anziehen oder auch beim Spielen kein Hörbuch/Hörspiel/Podcast laufen muss. Es führt zu Reizüberflutung und einem „Dauerlärm“ zuhause. Ich bin der Meinung, dass Kinder lernen sollten, „Stille“ auch mal auszuhalten.